Amish Buggy in Intercourse, PA. Bild: USActivities

Als ich zum ersten Mal nach Lancaster County in Pennsylvania kam, hatte ich das Gefühl, in einer anderen Welt angekommen zu sein. Da waren die gewohnten Anblicke von Menschen, die in ihren Autos durch die Gegend fuhren. Wohn- und Geschäftshäuser in den Städten waren durch Überlandleitungen mit dem Strom- und Telefonnetz verbunden, so wie man es von den USA kennt. Und die Leute waren ganz normal gekleidet.

Also, nichts Ungewöhnliches. Bis ich eine kleine Tour durch das Land machte. Die Farmen hatten fast alle einen oder mehrere graue runde Türme, die fast schon wie Mondraketen aussahen, die corn silos. Die Leute dort fuhren mit Pferdekutschen, die sogar eine eigene Fahrspur auf den Straßen aufgemalt hatten. Bei den Häusern war die Wäsche auf Leinen aufgehängt. Man konnte keine Strom- oder Telefonleitungen sehen. Auf den Feldern pflügten Männer mit Pferden den Boden um.

Ich war natürlich vorgewarnt, was ich zu sehen bekommen würde, konnte es aber doch nicht so richtig glauben, bis ich es mit eigenen Augen sah: Ich befand mich im „Pennsylvania Dutch Country“, jenem Landstrich, in dem die „Amish People“ zuhause sind (sprich a-hmisch, wie in father). Sie sind Nachfahren meist deutscher oder schweizer Einwanderer. Der Name „Dutch Country“ leitet sich also nicht von „holländisch“ oder „niederländisch“ ab, sondern von „deutsch“.

 

Mittlerweile habe ich mich an den Anblick gewöhnt. Die Frauen tragen dunkle Kleider mit Schürzen, ledige Frauen haben eine weiße Haube auf, verheiratete eine schwarze. Die Männer sind ebenfalls dunkel gekleidet und haben im Sommer einen Strohhut auf dem Kopf. Sonst tragen sie einen schwarzen Hut. Fast alle haben einen Vollbart, jedoch ohne Oberlippenbart.

Die Amischen sehen diese charakteristische Kleidung als Ausdruck ihrer Bescheidenheit und der Trennung von der Welt außerhalb ihres Kreises an. Die Kleidung ist keine Kostümierung, sondern Ausdruck ihres Glaubens.

Die Amischen bezeichnen sich selbst als „plain people“, also „einfache Leute“. Alle nicht amischen nennen sie einfach „the englisch“. Neben den Amish people gibt es noch die Mennonites und Brethren, deren Wurzeln jedoch auch auf die Amish zurück zu führen sind. Sie reichen mehrere Jahrhunderte zurück, in eine Zeit, als diese Volksgruppen wegen ihres Glaubens in Europa verfolgt wurden.

Trotz den Veränderungen in der Gesellschaft und der Technisierung leben und arbeiten sie noch immer so wie ihre Vorväter. Die Amish people sind sehr fromme Leute und glauben an die wörtliche Interpretation der Bibel. Heute gibt es mehr als 25 verschiedene Amische, Mennonitische und Brethren Glaubensgruppen in Lancaster County, die unterschiedliche Traditionen pflegen und eigene Interpretationen der Bibel haben.

Einige legen die Schrift strenger aus als andere, etwas moderner eingestellte Gruppen. So sind z.B. elektrischer Strom, Fernsehen und Telefone bei einigen nicht erlaubt. Andere folgen zwar der Forderung, unabhängig zu bleiben, d.h. keine Stromleitungen von außen in ihr Haus zu führen, haben aber eine Fernsehantenne auf dem Dach, benutzen Kühlschränke und andere elektrische Geräte. Sie erzeugen ihren Strom selbst.

Um im Notfall telefonieren zu können besitzen viele entweder ein Handy (keine Leitung von außerhalb) oder haben eine kleine Hütte im Vorgarten stehen, in der ein Festnetztelefon untergebracht ist (diese Leitung geht nicht in das Wohnhaus!)

Gruppen, die konservativ eingestellt sind, lehnen auch den Besitz von Autos ab, da diese den Zugang zu den weltlichen Dingen erleichtern. Daher sieht man sehr viele Buggies, wie man die Pferdekutschen dort nennt, auf den Straßen.

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Diese Leute pflegen einen friedlichen und einfachen Lebensstil und leben sehr zurückgezogen. Das mutet natürlich für alle anderen sehr befremdlich, sehr rückständig an. Man könnte sich fragen, ob sie denn so überhaupt überleben können. Und ja, sie überleben nicht nur, sondern vermehren sich sogar. Seit 1960 hat sich die Zahl Amish people in Lancaster County nahezu verdreifacht.

 

Ihre Abgeschiedenheit vom Rest der Welt stärkt ihren Zusammenhalt. Die Kinder der Amischen werden bis hin zur achten Klasse zusammen in einem Schulhaus mit nur einem Klassenzimmer unterrichtet. Gottesdienste finden alle vierzehn Tage abwechselnd im Haus eines ihrer Mitglieder statt. Das Gemeinschaftsleben ist ein sehr wichtiger Teil des Lebens dieser Leute.

Sie leben, wie bereits erwähnt, sehr zurückgezogen und betrachten die Aufmerksamkeit, die ihnen insbesondere von Touristen entgegengebracht wird, als störend. Sie glauben, dass Fotografien, auf denen jemand erkennbar ist, gegen das biblische Verbot von Götzenbildern verstößt. Man sollte dies als Besucher respektieren. Da es jedoch Amische gibt, die die Glaubensauslegung nicht ganz so streng nehmen, sollte man einfach fragen, ob man Bilder machen darf.

 
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